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 Balsamico
Der Essigkönig

Modena, in der norditalienischen Poebene gelegen und der Region Emilia-Romagna zugehörig, ist vor allem für eine kulinarische Spezialität berühmt. Den Balsamico di Modena. Mit ihm werden vegetarische Gerichte noch geschmackvoller, der Salat aus Tomaten, Nudeln und Rukola noch knackiger und Fisch- und Fleischsoßen würziger.

Das Original finden wir heute nicht in unseren Supermärkten. Denn der echte Balsamico, der "Tradizionale", kostet oft mehr als 100 EUR pro 0,1-Liter-Fläschchen. Jede Produktion ist einmalig, und jeder Flakon wird deshalb mit einer Serien- und Prüfnummer versehen.
Auch wenn die handelsüblichen Flaschen mit dem Aufdruck Aceto Balsamico nicht an die Qualität des Originals heranreichen, der würzige, fruchtige Balsamico gewinnt immer mehr Liebhaber. Trotzdem sollten Feinschmecker aufmerksam bei der Wahl des Balsamico sein. Nicht jeder Balsamessig ist wie der andere. Es gibt aufgrund der Fertigung verschiedene Geschmacksabstufungen. Da der Name Balsamessig nicht geschützt ist, werden auch in Deutschland unter dem Namen Balsamico mittlerweile Produkte auf den Markt gebracht, die innerhalb eines Tages mit Essig, Zucker, Wasser, Karamelfarbe und Mostkonzentrat produziert werden. Für den einfachen Salat und den täglichen Gebrauch reicht eine solche Qualität allemal. Zudem wäre wohl der echte Balsamico viel zu wertvoll, um ihn täglich zu verwenden. Nur sehr sparsam wird der dickflüssige Essig über Salate gesprüht oder verfeinert mit wenigen Tropfen edle Gerichte.

Der echte Aceto Balsamico Tradizionale
Im Mittelalter war der samtigsüß-würzige Aceto Balsamico für höfische Gaumen gerade gut genug. Er war einer der teuersten und geschätztesten Gewürze überhaupt. Historische Zeugnisse verweisen auf die Essigfläschchen, die der Marchese Bonifacio (Vater der Herzogin Mathilda von Canossa) dem späteren Kaiser Heinrich II. von Franken im Jahr 1046 zum Geschenk machte. Heute datiert man die Gewinnung des ersten Balsamico auf Anfang des 11. Jahrhunderts. Seit mehr als 900 Jahren verfeinert dieser exklusive Essig die Gerichte europäischer Küchen.

In einem 12-jährigen, sehr aufwendigen Reifeprozess im Holzfass werden die weißen Trebbiano-Trauben (Trebbiano di Spagna) zu einem der köstlichsten Essige der Welt gegoren. Mancher Balsamico ist sogar bis zu 40 Jahre alt. Das Alter der Lagerung bestimmt auch die Qualität des Essigs. Aus den Trauben wird ein dicker, süßer Traubenmost gewonnen, der stundenlang eingekocht und auf bis zu 70 Prozent konzentriert wird. Viel bleibt von einer Traube nicht übrig. Von 100 Kilogramm Trebbiano-Trauben werden 3 bis 5 Liter Balsamico gewonnen. Während der Reifezeit wandert der Balsamico durch verschiedene, immer kleiner werdende Holzfässer, von Eiche über Kastanie bis zum Maulbeerbaum. Direkt unter dem Dachboden gelagert, wird der Balsamico starken Temperaturschwankungen ausgesetzt. Warme sommerliche Temperaturen sorgen für die Verdunstung des Wasseranteils. Der kalte Winter führt zur Klärung möglicher Trübstoffe. Die verschiedenen Holzfässer verleihen dem Balsamico seine Farbe und sein einzigartiges Bouquet. Die Zeit, die der Balsamico in jedem der Fässer verbringt, wird von den produzierenden Familien als Familienrezepte streng gehütet, denn dieses sichert die exklusive Produktion des Essigs und die Einkommensquelle der Produzenten. Heute überwacht in Modena eine Prüfungskommission die Spitzenprodukte hinsichtlich Farbe, Duft und Geschmack und entscheidet, was zum Verkauf freigegeben werden darf.

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