
Verwunschene Gasthöfe und Privathäuser, inmitten von Olivenhainen, laden den Besucher zum Verweilen ein. Foto Brockes

Ligurien - undenkbar ohne seine weiten Olivenbaum- Haine. Hieraus wird das weltberühmte
Speiseöl hergestellt. Foto Brockes |
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Nino und sein Onkel leben auf einem Landsitz bei
Capo Berta. Seit Generationen
produziert die ligurische Familie Olivenöl. Auch der 98 jährige "Nono," (Großvater)
Giuseppe von Nino lebt noch auf dem Gut und genießt den wohlverdienten Ruhestand.
Er unterhielt als junger Mann auch noch einen Weinhügel, den er von seinem Vater
geerbt hatte. Mit klarem Verstand erzählt er Einzelheiten über die Weinlese und
den Weinhandel zu "seiner" Zeit.
Sein Vater hatte einen Weingroßhandel in Imperia, der Provinzhauptstadt von Ligurien,
den der Sohn später weiter führte. Damals beförderten Maultiere und Ochsen mit Fuhrwerken
die Trauben in Körben. In den Kellern standen "tine" (große Fässer) bereit,
in denen die Trauben von den Bauern mit Füßen gestampft wurden. Nach einigen Tagen natürlicher
Fermentation nahm der Most allmählich den Charakter des Weines an. An seine erste
Reise - im Alter von acht
Jahren - mit dem Segelschiff seines Vaters, den er begleiten
durfte, erinnert sich Giuseppe genau.
Ein Posten Wein, dessen Qualität und hoher Alkoholgehalt sehr geschätzt waren, sollte
in Gallipoli am Golf von Tarent geladen werden. Der edle Tropfen wurde in Ziegenschläuchen
Maultieren zum Strand gebracht und dort in Fässer umgefüllt, die man ins Meer rollte
und mit Hilfe von Tauen zur Seitenwand des Schiffes zog. Mit dem "bigo" (ein Teil des Mastes war mit
einer Zugrolle nach Art eines Ladekranes ausgerüstet), wurde
die Fracht an Bord gehievt; die Fässer wurden im Ladraum und auf Deck gelagert.
Bei ruhiger See war die Reise eine angenehme.
An den Schrecken und die Angst jedoch, den ein Sturm auf der Rückreise, gerade als
die Meerenge von Messina durchfahren werden sollte, auflöste, erinnert sich Giuseppe,
als wäre es gestern gewesen. Das Vorhaben musst aufgegeben und ganz Sizilien umsegelt
werden. Glücklich wieder am Zielort angekommen, wurden die Fässer am Hafensteg entladen.
Der Gastwirt, der den Wein erwarb, verkaufte ihn ab Fass, mit dem Anstichhahn abzapfend,
wie es heute teilweise noch beim Bier üblich ist. "Es war eben eine andere Zeit",
sagt Giuseppe. "Es war "meine" Zeit."
Und heute schaut der alte Mann den jüngeren bei der Arbeit zu, gibt immer noch Tipps
und genießt das "dolche far niente" in der Spätnachmittagssonne bei einem Glas Rotwein.
Er staunt über die moderne Technik und freut sich, dass es die Menschen heute leichter
haben. Aber oft denkt er auch mit
etwas "nostalgia" an die alten Zeiten, wo er,
selbst noch ein Kind, seinem Vater bei der beschwerlichen Weinlese und dem Handel
half. Den Weinhügel gibt es nicht mehr. Aber die Erinnerungen bleiben. So war das
damals - in Ligurien...
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