Reiseführer
für die Toskana
finden Sie in unserem Italienshop

Montefegatesi: Hier verweilte bereits der Dichter und Schriftsteller
Dante. Ein Denkmal erinnert noch heute daran. Foto Brockes
Anreise
Mit dem PKW von Deutschland aus kommend, nimmt man entweder die Straße über den
Brenner bis Modena, oder man durchfährt den St.-Gotthard- Tunnel Richtung Mailand,
Bologna. Ab hier geht`s Richtung Florenz oder westlich über Parma und La Spezia.
Nach Castelnuovo kommen Sie am besten über die Landstraße, indem Sie die Autobahn
bei Modena Nord verlassen und über den Passo di Radici fahren. Mit der Bahn kann
man von Deutschland aus direkt bis Lucca oder Castelnuovo fahren.

Ein Kleinod der Toskana: Die alte Stadt Lucca. Foto Brockes
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Italien - und ganz besonders die "klassische" Toskana zwischen Florenz und Siena
mit ihren sanften Hügeln und dem malerischen Licht - stellen eines der beliebtesten
Reiseziele der Deutschen dar. Daneben gibt es jedoch Regionen, die nur wenige kennen,
wie zum Beispiel die Garfagnana.
Nördlich von Lucca dehnt sich das Serchio-Tal aus, eine reizvolle Landschaft, reich
an unberührten Naturschönheiten und lebhaften Kontrasten. Entlang den Ufern des
Flusses Serchio, der parallel zum Meer zwischen den apuanischen Alpen im Westen
und dem Appenin im Osten dahinfließt, erschließt sich dem Individualisten eine Gegend,
die am besten zu Fuß, mit dem Mountain Bike oder auf dem Pferd zu entdecken ist.
In der Garfagnana mit ihren zahlreichen malerischen Dörfern, die an den Hängen links
und rechts des Serchio zu kleben scheinen, ist der Besucher fern vom Trubel des
Massen-Tourismus. Dieser toskanische Landstrich eignet sich ideal zur Entspannung.
Inmitten von Italiener mit traditionellen Lebensstil, wird der Gast mit unverdorbener
Liebenswürdigkeit aufgenommen. Ein kleines Paradies für all diejenigen, die die
Beschaulichkeit mögen.
Die Garfagnana liegt nur einige Kilometer vom Meer und der ligurischen Küste entfernt.
Dennoch sind die Strände von Viareggio, Forte di Marmi, Massa oder La Spezia nicht
leicht zu erreichen. In einer Gebirgslandschaft mit Höhen von bis zu 2000 Metern,
in der gut ausgebaute Straßen fehlen, wird allein das Autofahren zum Erlebnis. Der
Kontrast zwischen Meer und hohen Bergen, die nach Westen steil abfallen und sich
nach Osten sanft zum Serchio ausdehnen, ist besonders reizvoll. So bieten die Apuanischen
Alpen Wanderern und Berginteressierten zu allen Jahreszeiten eine Vielzahl schöner
Touren. Beliebt sind der Monte Pisano (1947 m), der Monte Sumbra oder die "Pania
delle Croce" (1859 m), die "Königin der Apuanischen Alpen", die nur 15 Kilometer
vom Meer entfernt ist und bei klarem Wetter einen atemberaubenden Rundblick nach
Westen zum Meer und nach Osten über das fruchtbare Tal des Serchio und den Appenin
bietet. Bergsteiger bevorzugen das Gebiet des Monte Procinto (1174 m) mit Routen
der höchsten Schwierigkeitsgrade während es Höhlenforscher nach Monte Corchia zieht.

Verwunschen liegt der kleine Ort Montefegatesi inmitten
des Gebirges der La Garfagnana. Foto Brockes
Die Toskana im Herbst
Die schönste Jahreszeit für die Garfagnana ist sicherlich der Herbst. Dann
lockt sie mit Sonne, angenehmen Temperaturen und ihren in sanftes Licht getauchten
bunten Wäldern voll von Esskastanien , Beeren und schmackhaften Pilzen. Die Städte
Barga und Castelnuovo di Garfagnana sind die bekanntesten Orte dieser Gegend, neben
dem berühmten alten Kurort Bagni die Lucca. Einst galt er Europa weit als das berühmteste
Thermalbad. "Ich habe nie ein reizenderes Tal gesehen, als dieses," schrieb 1829
Heinrich Heine in seinem Reisebild "Die Bäder von Lucca". Oberhalb des Ortes kleben
die kleinen Dörfer wie Monte di Villa und Montefegatesi wie Adlerhorste an den steilen
Abhängen der Berge. 300, vielleicht 400 Seelen bewohnen die aus dem Mittelalter
stammenden Steinhäuser. Weit ab von der hektischen Zivilisation, scheint sich in
den letzten 700 Jahren hier nicht viel geändert zu haben. Fax und E-Mail werden
hier nicht benötigt. Fast schämt man sich für seinen mitgebrachten Laptop. Nachrichten
werden hier von Mario dem Lebensmittelhändler hinauf- und ebenso hinunter ins Dorf
getragen. Einmal pro Woche rattert seine dreirädrige "Ameise" die steilen Bergstraßen
hinauf, um die Bewohner mit Lebensmitteln und Hygiene-Artikeln zu versorgen - vorausgesetzt
die Wetterverhältnisse lassen dies zu.
Opernsänger aus Florenz und Genua haben hier ihr neues zu Hause gefunden. Stressgeplagte
Banker aus dem ewig schwülen Mailand verbringen mit ihren Familien in dieser Abgeschiedenheit
die Ferien. Da viele der Bergbewohner ihre Heimat verlassen haben, um in den nahe
gelegenen Städten Arbeit zu finden, stößt man häufig auf leerstehende und zum Teil
verfallene Häuser. Für einen Spottpreis kann man diese käuflich erwerben. Jedoch
verdoppelt sich der Preis angesichts der Tatsache, dass in den meisten Wohnungen
kein fließend Wasser vorhanden ist. Auch Stromleitungen müssen fast überall gelegt
werden. Handwerkliches Geschick und ein solides Grundkapital sind also von Nöten.
Wer Tagestouren in die Bergdörfer plant, übernachtet in Hotels und Pensionen der
verschiedenen Kategorien, die sich im Tal des Serchio befinden. Auch Campingfreunde
kommen auf ihre Kosten. Romantische Plätze gibt es fast überall.

Lucca - der malerische Ort liegt im Norden der Toskana.
Am Sonntag treffen sich die Nachbarn um ihrer Lieblingsbeschäftigung - dem Bingo-Spiel
nachzugehen. Foto Brockes
Wer hier seinen Urlaub verbringt, sollte sich Zeit nehmen, öffnet sich die Region
dem Interessierten oft erst auf den zweiten Blick. Viele Kleinode und Schönheiten
gilt es zu entdecken, wie zum Beispiel die Städte Castelnuovo (Hauptort der Garfagnana),
das mittelalterliche Barga und die Ponte del Diavolo (Teufelsbrücke) in der Nähe
von Borgo da Mozzano, ca. drei Kilometer südlich von Bagni di Lucca. In unterschiedlich
großen Bögen überspannt sie den aufgestauten Serchio. Das kühne Bauwerk hat allen
Fährnissen der Geschichte getrotzt. Vielleicht nennt man es deshalb ein Werk des
Teufels.
Wie in Italien üblich, kommen auch die Gaumenfreuden in der Garfagnana nicht zu
kurz. Wer gerne gut und traditionell italienisch isst, wird hier auf seine Kosten
kommen. In einem der vielen kleinen Restaurants und Trattorien, wo noch die ganze
Familie des Besitzers zusammenarbeitet, um den Gast rundum zu verwöhnen, werden
die typischen Gerichte wie Wildschwein, Kaninchen und Pilze angeboten.
Natürlich fehlen auch nicht die köstlichen Nudelgerichte. Dazu passen die Weine der Toskana.
Die Preise sind günstig und beuteln auch keine vierköpfige Familie.
Wer hier seinen Urlaub verbringt, der möchte entdecken, erleben und entspannen,
in einer Welt, die nur in Märchen schöner beschrieben werden könnte, hat man sie
einmal selbst gesehen. Und keine Angst vor der Ruhe und Beschaulichkeit: In nur
knapp einer Stunde ist man wieder in der "realen Welt" mit ihren Autos, den Computern,
den gerade betonierten Straßen. Die Garfagnana ist eben Liebe auf den zweiten Blick.
© Simone Brockes Nachdruck und Verwertung des Inhalts (Vervielfältigung, Übersetzung, Verfilmung,
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